Ihr Preis muss heiss sein
Kassel. Kaffee, Kassensysteme, Klopapier: Für fünf Millionen Euro haben die 330 Gastwirte und Großküchen, die sich der Sellcon angeschlossen haben, vergangenes Jahr Waren bestellt.
Hätten die Betriebe ohne die Konditionen der Einkaufsgemeinschaft eingekauft, wäre es für sie bis zu 25 Prozent teurer geworden. In der Masse sind die Verbraucher stark. Das ist auch die Idee, die hinter dem vor gut einem Jahr in Kassel gegründeten Unternehmen steht.
Es war ein mutiges Unterfangen, denn am Anfang stand nur eine Idee. Ohne großes Startkapital und zusätzliche Mitarbeiter starteten drei Gesellschafter im Oktober 2008 ihr Projekt.
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Hintergrund
Sellcon GmbH - Einkaufsgmeinschaft Gründung: Oktober 2008 Mitarbeiter: Sieben (2008: drei) Mitglieder: 330 (2008: 62) Umsatz 2009: 80 000 Euro 3000 Artikel gelistet (bal)
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Seitdem haben sie Gastronomen, Kindergärten, Altenheime, Schulkantinen und sogar Feuerwehren als Mitglieder gewonnen. Aus drei Mitarbeitern wurden sieben, die weiterhin am Ausbau der Einkaufsgemeinschaft arbeiten, deren Radius schon jetzt von Einbeck über Korbach, Fulda und Erfurt reicht.
„Je nach Lieferanten und Produkten sparen unsere Mitglieder zwischen drei und 25 Prozent beim Einkauf“, sagt Geschäftsführer Klaus-Dieter Pauksch. Für ein Kilogramm Hähnchenbrust etwa zahlten seine Mitglieder 4,33 Euro, während es beim selben Lieferanten normalerweise 5,66 Euro koste. Ansonsten ändere sich mit der kostenlosen Mitgliedschaft nichts. Lieferanten und Zahlungskonditionen blieben erhalten. Die Sellcon GmbH trete lediglich als Preisvermittler auf, das Einkaufsvolumen von fünf Millionen Euro fließe direkt an die Lieferanten.
Preise verhandelt
3000 Preise habe seine Firma mit Lieferanten wie der SB Union bereits verhandelt. Paukschs Erfahrung ist: Gerade karitative Einrichtungen zahlten häufig viel zu viel beim Einkauf.
Seine Einnahmen erwirtschaftet die Sellcon ausschließlich über Provisionen der regional und national aufgestellten Lieferanten und hat damit im Jahr des Firmenaufbaus 80 000 Euro umgesetzt.
„Die Mitgliedschaft soll kostenfrei bleiben“, sagt Pauksch. Sein Ziel ist es, die Mitgliederzahl noch in diesem Jahr auf 1000 Betriebe zu erhöhen.
Bei ihrem Vorhaben profitieren die Gesellschafter von ihren Erfahrungen in der Gastronomie. Pauksch betreibt nach wie vor mehrere Lokale in der Region. „Wirte sind ein Völkchen für sich. Es ist schwer, alle unter einen Hut zu bringen – doch nur so kommen wir voran“, sagt Gesellschafterin Iris Heußner. Denn in Zeiten permanenter Preisanstiege und sinkendem Ausgehverhalten werde es für den einzelnen Gastwirt immer schwerer. www.sellcon.de
Von Bastian Ludwig
» PDF Dokument herunterladenschließen Der Preis ist heiß: (von links) Iris Heußner, Jutta und Klaus Pauksch wollen die Einkaufspreise für Gastronomen senken
Foto: Silke Liebig-Braunholz
KASSEL. Drei gestandene Gastronomen engagieren sich für ihre Branche: Mit der Sellcon Einkaufsgemeinschaft für Gastronomie und Großverbraucher wollen sie die Preise der Lieferanten verhandeln. Geschäftsführer Klaus Pauksch ist sicher, dass noch einiges geht – zur Entlastung der Betriebe.
„In Zeiten von Rezession und Preisanstieg spürt jeder Betrieb und Gastronom den harten Wettbewerb. Dieser macht es notwendig, schon im Einkauf die besten Preise zu erzielen“, sagt Pauksch. Seit mehr als 25 Jahren ist er in der Branche tätig. Früher hat er neun Objekte betreut, heute führt er noch drei in Göttingen, Gießen und Kassel. „Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass sich die Einkaufspreise erheblich senken lassen, wenn ich ein größeres Volumen abnehme. Genau diese Idee steckt hinter Sellcon, die wir im Oktober 2008 gegründet haben“, erzählt er. Mit seiner Frau Jutta und Geschäftspartnerin Iris Heußner ist er seitdem dabei, die Einkaufsgemeinschaft zu vergrößern. Zurzeit zählt sie 62 Mitglieder, noch beschränkt auf Hessen und Niedersachsen.
Von Sellcon erhoffen sich vor allem Kleinst- und Kleinbetriebe, ihre Einkaufspreise auf ein Niveau zu senken, das sonst nur Großunternehmen oder Franchisebetrieben vorbehalten ist. Verzichten müssen sie auf nichts: Die Sellcon hält nahezu das komplette Lebensmittelsortiment und eine breite Auswahl an Non-Food-Artikeln bereit. Rund 2800 Artikel sind gelistet. Darunter Kassensysteme, Kücheneinrichtungen, Kaffeemaschinen oder Innen- und Außenbestuhlungsartikel.
Die kostenlose Mitgliedschaft spricht zweifellos für die neue Einkaufsgemeinschaft. Sellcon finanziert sich ohne Eintrittsgelder und ausschließlich über die Lieferanten. „Wir arbeiten momentan noch mit Fremdmitteln. Das ändert sich, sobald unser Einkaufsvolumen steigt. Dann werden wir einen geringen Prozentsatz vereinnahmen“, sagt Pauksch. Der Gastronom spüre davon aber nichts und werde auf jeden Fall Geld sparen. Pauksch ist sich sicher, dass die Spannen noch gesenkt werden können. „Wir verhandeln viele Artikel, die noch zu teuer sind. Gleichzeitig spart jedes Mitglied sofort über die bereits gelisteten Artikel bis zu 20 Prozent ein“, sagt Iris Heußner. Auffallen wird es dem Gastronomen gleich an der Kasse, da er seine Einkäufe weiterhin selbst tätigt. Die Lieferanten erhalten alte Kunden zurück und sparen Kosten für ihren Außendienst. www.sellcon.de
Autor: Silke Liebig-Braunholz
Erschienen in der Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung, Ausgabe 2009/11, Seite 24
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